Die lockere Feder wird ihr eine Strafe einbringen, davon ist Dagmar
Meltzner, ihres Zeichens Tanzmariechen der Prinzengarde Bergisch
Gladbach, überzeugt.
Aus Unachtsamkeit hat die 24-Jährige den roten Kiel aus dem Hut gerissen
und nur provisorisch wieder anbringen können. "Das wird mich etwas
kosten", sagt die Quirlige, die in diesem Jahr in der vierten Session
das Tanzbein schwingt.
Genau 40 Rotbemäntelte haben sich an diesem
Abend im Golf- und Landclub Köln in Refrath versammelt, um dem
Prinzenführer Gerd Kombüchen ihre tadellose Uniform zu präsentieren.
Doch der Gardist mit dem Verdienstorden um den Hals ist schon im
13. Jahr dabei und lässt sich nichts vormachen. "Besonderen Augenmerk
lege ich darauf, ob die Spitze des Säbels vorschriftsmäßig entschärft
ist", erklärt der 61 Jahre alte Prinzenführer. Die Säbelspitze vorzuweisen,
die abgerundet sein muss, damit der Stahl als Theaterwaffe durchgeht
und niemanden verletzen kann, das ist für die allesamt männlichen
Gardisten kein Problem.
Aber Kombüchen ist nicht so leicht zufrieden
zu stellen. Er rüttelt an jedem Knopf, kontrolliert jedes Detail,
merkt sofort, wenn der Uniformrock über den Bauch spannt. "Eigentlich
besteht das ja alles aus Material, das nicht einlaufen kann. Bei
manchen von uns wird das von Session zu Session trotzdem immer
kleiner", sagt Heino Strünker und streicht sich lachend über die
doppelte Knopfleiste. Auch bei ihm sei es in diesem Jahr hart an
der grenze: "Zehn Kilo bin ich in den vergangenen Jahren in die Uniform
hineingewachsen, jetzt ist langsam Schluss."
Jeder "Straftäter" muss
einen Obolus in die Vereinskasse einzahlen, den Kombüchen ganz individuell,
je nach finanziellen Verhältnissen der Sünder festsetzt. "Ab 10 Euro
ist man dabei", sagt er. Ein bisschen wehtun soll das Vergehen
ja schon. Schließlich sollen alle Mitglieder dazu angeregt werden,
die Uniform nun schnellst möglich in Ordnung bringen zu lassen. Schließlich
beginnen nun wieder die Auftritte mit dem Prinzen. Und da muss
alles tadellos sein.
von CLAUDIA LEHNEN |